Lust und Frust im Job
Vermutlich gibt es in jedem Job die üblichen Hochs und Tiefs, gute Tage mit tollen Erfolgserlebnissen und richtig schlechte Tage, die scheinbar nie zu Ende gehen. Gemeint ist hier nicht das 3-Uhr-Loch, aus dem nur ein kräftiger Kaffee helfen kann, sondern richtig miese Stimmung, dicke Luft wo man am liebsten alles hinschmeißen möchte.
Aber erst mal zu den Hochs. Wer Konstrukteure kennt, die zumindest zeitweise Spaß an ihrer Arbeit haben, der kennt bestimmt auch die Begeisterung in den Augen, wenn sie über ihre neuen Projekte und Ideen sprechen. Wenn die Gedanken in der Freizeit, beim Wandern, im Urlaub oder sogar nachts bei den Projekten sind, dann ist das die Lust am Gestalten. Eigene Ideen verwirklichen, in Form bringen und in reale Produkte umsetzen. Der Höhepunkt ist erreicht, wenn man die fertigen Produkte in der Entstehung und später in der Anwendung sieht. Dann geht die Schwärmerei erst richtig los. Jeder Konstrukteur ist stolz auf seine Arbeitsergebnisse, wenn er sie vor sich sieht, in den Händen halten und zeigen kann. Wenn sie auch noch funktionieren, umso besser. Und so kommen wir auch schon zum ersten Tief.
Ein kluger Mann hat mal gesagt, wenn man eine Eselsbrücke braucht, um etwas behalten zu können, dann soll man sich eine suchen, die richtig peinlich ist. Was peinlich ist, vergisst man nicht so leicht. Richtig peinlich ist es für einen Konstrukteur, wenn er etwas konstruiert hat, das nicht funktioniert. Oder wenn es nicht herstellbar ist.
Da hat man sich über Tage, Wochen oder Monate um eine Lösung bemüht und ist sicher, dass die Idee genial ist. Natürlich kann man das nicht für sich behalten, sondern erzählt es den Kollegen und dem Chef oder im privaten Kreis. Und dann soll das Teil gebaut werden: Die „Praktiker“ spötteln schon. Man beginnt zu zweifeln. Leider passiert so was immer wieder. Es gibt natürlich auch Grenzfälle, wo man diskutieren kann. Die Konstruktion ist gut, die Fertigung hat Fehler gemacht (soll ja vorkommen…). Aber wenn das Urteil eindeutig ist – "KANN ja gar nicht gehen", "was für eine Schnapsidee", FEHLKONSTRUKTION!
Wenn die „lieben“ Kollegen so einen Fehlschlag richtig ausschlachten hat man unter Umständen lange was davon. Okay, dass vergisst man nicht so schnell. Beim nächsten Mal hält man die Klappe, bis man ganz sicher ist, macht Simulationen, Berechnungen, lässt vorab ein Muster bauen. Und so bekommt das Selbstvertrauen langsam wieder festen Boden.
Manch einer wechselt den Beruf, wenn Erlebnisse solcher Art sich zu schnell wiederholen. Dabei hat jeder erfahrene Konstrukteur schon solche Flops ausgedacht und wurde ausgelacht. Für die ganz Unermüdlichen gilt: Wer etwas wirklich Neues hervorbringen will, muss immer wieder bereit sein, sich zu blamieren.
Eine besondere Art von Frust-Job kennen alle Konstrukteure und Zeichenkräfte: Änderungen

